Um 1860 befanden sich auf dem schmalen Grundstück von der Gerichtstraße bis zur Wiesenstraße ein Fabrikgebäude, Speicher, Pferdeställe und Wagenremisen. Später baut man mit Kesselhaus, Maschinenhaus, weiteren Fabrikgebäuden, einem Expeditionsgebäude und einem Aether-Keller das insgesamt ca. 9000m² große Gelände weiter aus.
Eigentümer war die „Chemische Fabrik J.D. Riedel AG“, die Arzneimittel, Chinin und Grundstoffe für Glühstrümpfe der bekannten Berliner Gaslaternen herstellte. Diese teilweise hochgiftigen und explosiven Chemikalien wurden im „Aether-Keller“ gelagert, der sich etwa im Bereich des heutigen Aufgangs 7 befand.

1912 gründet J.D. Riedel die „Industriestätte Nordhof“, die bis heute fast unverändert erhalten geblieben ist. Die veralteten Gebäude wurden abgerissen und das vierstöckige Fabrikhaus mit den großen Fenstern, den kostbaren, glasierten Ziegeln und elektrischen Aufzügen errichtet. Erste Mieter waren damals die „AEG-Apparatefabrik, eine Likörfabrik und ein AOK-Büro. Das Wohnhaus in der Gerichtstrasse, das durch seine Größe und aufwändige Ausstattung auffiel, folgte später. Dort wo heute ein gähnendes Loch klafft, stand bis zum Ende des Weltkriegs der imposante Mittelteil. Berichten zufolge ist dieser erst 1945 eingestürzt, als ein Geschütz explodierte, mit dessen Bedienung ein Hitlerjunge wohl überfordert war und hier wenige Tage vor Kriegsende den Tod fand.

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