Der Kunst- und Gewerbestandort Weddinger Gerichtshöfe ist durch radikale Umbaumaßnahmen bedroht

Im Zuge einer kompletten Sanierung und Modernisierung der Weddinger Gerichtshöfe plant die kommunale Wohnungsbaugesellschaft GESOBAU zwei Drittel der Atelier- und Gewerbeflächen in Studentenwohnungen umzuwandeln. Während einer Informationsveranstaltung am 1.11.2016 wurde das Planungskonzept des beauftragten Büros Bollinger + Fehlig Architekten vorgestellt. Demzufolge würden sämtliche Gewerbebetriebe und ein Teil der KünstlerInnen ihre Arbeits- und Existenzgrundlage verlieren. 

 

Für den Bau von 150 Studentenappartments wird der Verlust von ca. 150 Arbeitsplätzen im produzierenden Gewerbe billigend in Kauf genommen und eine über Jahrzehnte gewachsene Künstlergemeinschaft zerstört. Allein die zweijährige Bauphase 2018–2020, die unter Umständen zu  mehrmaligen Umzügen in Ausweichquartiere zwingt, ist für mehr als 80 KünstlerInnen existenzgefährdend. 

 

Grundsätzlich befürworten wir die Erweiterung unserer Gemeinschaft um Studierende. Idealerweise existiert eine kriegsbedingte Baulücke, sodass ein zusätzliches großes Gebäude für Studierende hier Platz finden könnte. Aus welchem Grund also sollten Arbeitsplätze und die Existenzgrundlagen von Handwerkern und Künstlern zugunsten von Studentenwohnungen geopfert werden? Wir lehnen das gegenseitige Ausspielen gesellschaftlicher Gruppen entschieden ab: Künstler gegen Handwerker gegen Studierende. 

 

Erweiterung statt Verdrängung wäre ein schöner und machbarer Ansatz. In den über die Stadtgrenzen Berlins hinaus bekannten Gerichtshöfen ist während der vergangenen 40 Jahre eine lebendige Mischung aus Künstlerateliers, kunstgewerblichen Werkstätten und handwerklichen Betrieben heimisch geworden. Daraus ist eine Arbeits- und Lebensgemeinschaft entstanden, die in ihrer internationalen Zusammensetzung einzigartig ist.

 

Die Gerichtshöfe sind heute ein Ort, von dem ökonomisch, sozial und kulturell vermittelnde Impulse ausgehen, sie sind ein Beispiel gelebter Integration und stärken den sozialen Frieden im Kiez.


Bitte unterstützen Sie die Gerichtshöfe und unser Anliegen, einen attraktiven Stadtraum zu erhalten, in dem sich seit vielen Jahren Leben, Arbeit und Kultur begegnen. Sie sind herzlich eingeladen, die Gerichtshöfe und ihre Bewohner kennenzulernen.

 

Ihre AnsprechpartnerInnen:
Birgit Bayer –  
Sibylle Gädeke –
Andrea Wallgren –
Bettina Baer –
Günter Ries –

 

Kunst in den Gerichtshöfen e.V.

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